Good Times Roll

Eine Woche zuvor waren wir noch in der Pfalz beim Votec Gravel Fondo zugegen, wo wir uns – wie auch viele andere Teilnehmer – von Freitag bis Sonntag wegen der ausgezeichneten Bewirtung und Unterhaltung ausgesprochen wohl gefühlt hatten. Nun waren Sam und ich zum Dirty Boar nach Belgien aufgebrochen, um ein weiteres Gravelabenteuer zur erleben.

Dirty Boar – was ist das?
Das Dirty Boar ist ein Gravel Event, welches nun zum dritten Mal in Belgien im Herzen der Ardennen startete und teilweise auch durch die deutsche Eifel führt. Von allen europäischen Eintagesveranstaltungen ist das Dirty Boar sicherlich eines der schwereren, denn gestartet wird morgens um 7 Uhr, damit alle Fahrerinnen und Fahrer genug Zeit haben, um die insgesamt 167 KM und über 2400 Höhenmeter im Hellen bewältigen zu können. Die rund 500 Teilnehmer müssen dabei zwar selten sehr steile, aber dafür sehr lange und steinige Anstiege befahren. Die Route ist ausgesprochen wellig; nur selten gibt es hier flache oder geteerte Segmente, auf denen man sich ausruhen kann. Manche Streckenteile sind so steinig, dass man viel Speed braucht, um sie einigermaßen flüssig befahren zu können. Geht dieser einmal verloren, so wird es extrem schwierig wieder in Tritt zu kommen und man bewegt sich nur noch im Schneckentempo vorwärts. Je länger der Tag dauert, desto schwieriger wird es dann natürlich, für die Fahrerinnen und Fahrer voran zu kommen.
Das Ganze wird natürlich nicht einfacher, wenn es am Tag und in der Nacht zuvor beständig regnet und sich der Boden dort, wo er nicht steinig ist, mit Nässe vollsaugt. Am Morgen regnete es immer noch und aufgrund des Nebels hatten die Fahrer eine Sichtweite von weniger als 100 Metern. Gestartet wurde in kleinen Gruppen, wenngleich sich nach kurzer Zeit ein Stau bildete und es etwas dauerte, bis man sich frei gefahren hatte. In den ersten beiden Stunden hielt sich der Nebel noch, dann klarte es etwas auf, allerdings blieb der Regen, bis auf wenige Ausnahmen, unserer ständiger Begleiter, mal etwas stärker mal schwächer. So ging es eigentlich den ganzen Tag. Der Dreck massierte sich unentwegt in unsere Bremsbeläge ein und irgendwann nach 90 Kilometern verabschiedete sich die Rückhalteklammer meiner Vorderbremse und auch bei Sam passierte das gleiche. In Ermangelung eines Ersatzes mussten wir beide also jeweils nur mit einer Hinterbremse das Dirty Boar zu Ende fahren (Memo an uns selbst für die nächste ausgedehnte Regenrunde.“ Ersatzbremsbeläge einpacken.“).
Zum Ende hin wurde die Route anspruchsvoller und technischer. Die meisten Höhenmeter sind an drei Anstiegen im letzten Viertel der Strecke zu bewältigen und auch der Start- und Zielort liegt auf einer Anhöhe, sodass man mit einer Bergankunft ins Ziel kommt. Hier sind auch mehrere flache Flussdurchläufe zu durchqueren. Nicht wenige Fahrer mussten an dieser Stelle ein unfreiwilliges Bad nehmen und auch sonst wurde die Route an diesem Tag zum Ende hin aufgrund der schlammigen Wege schwieriger.

Tops und Flops
Was ich positiv am Dirty Boar hervorheben kann, sind die freundlichen Helfer, die im Startbereich halfen, an Gefahrenstellen den Verkehr regelten und an den insgesamt drei Verpflegungsstationen die Verköstigung verteilten. Außerdem applaudierte eine kleine Gruppe von Helferinnen und Helfern den ins Ziel Kommenden, was ich nach den letzten dann doch nochmal sehr steilen Anstiegen und losem Untergrund sehr zu schätzen wusste.
Aufgrund der guten Beschilderung hätte man die Strecke auch ohne Wahoo oder ähnlichem gut befahren können.
Verpflegung gab es reichlich, wenngleich diese eher dem Standard der typischen Nahrungsmitteln bei Radveranstaltungen in Benelux entsprach. Es gab vor allem die verschiedenen Sorten von abgepackten Waffeln, Salzgebäck und geschmierte Brote, der eher fluffigen Backart und natürlich Wasser und Getränkepulver. Die angekündigten Nudeln, an der letzten Station fand ich etwas enttäuschend. Hier wurden zu den gut durchgekochten Makkaroni, außerdem Bockwürstchen, Tomatenketchup und billiger Industrieparmesankäse gereicht, was dann wohl doch eher vom eher aufkommenden Hunger in die Futterluke hineingetrieben wurde. Zum Trost gab es im Ziel ein leckeres belgisches Bier („La Redoutable“) und eine Tüte Pommes.

Was blieb also vom Tage?
Jede Menge Sand, der an allen möglichen Stellen des Körpers klebte und der Gedanke an die eigene sportliche Leistung, es geschafft zu haben.

Ist das Dirty Boar zu empfehlen?
Mit Sicherheit ist das Dirty Boar weiterzuempfehlen. Am meisten werde ich mich an die endlos langen und sehr gerade verlaufenden Schotterstraßen erinnern, die manchmal erst im Nirgendwo zu enden scheinen. Wer eine Herausforderung sucht, der ist beim Dirty Boar auf jeden Fall richtig aufgehoben. Wer allerdings auch viel Wert auf ein gehobenes Catering legt, der sollte sich dann doch lieber auf anderen Veranstaltungen, wie z. B. beim Votec Gravel Fondo, umsehen.

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