Good Times Roll

Text + Fotos: Nils Schäfer

Gravel ist nicht gleich Gravel!

Am Wochenende haben wir uns mit unseren Ritte Snob Rennrädern (zur Vorhebung später mehr) zum Bodensee Gravel Giro begeben. Wir, das waren Sam und ich (Nils) sowie Hendrik (von Sir-Pete), der mit seinem Rad aus dem 235 Kilometer entfernten Groningen gekommen war, um uns an den Bodensee zu begleiten. Für ihn war also die Fahrt aus Holland nach Bochum eine willkommene Übung, da er in zwei Wochen am Transcontinental Race teilnehmen wird.

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Da wir in diesem Jahr schon die Dalsland Runt mit insgesamt über 180 Kilometern Gravelanteil weitgehend ohne Probleme überstanden hatten, dachten wir während der Anmeldung im Frühjahr, dass wir mit einigermaßen engagierten Auftreten und 28mm VeeTire Bereifung, die Schotterwege vom Bodensee schon irgendwie meistern würden. Dachten wir! Tage zuvor waren wir zwar schon gewarnt worden, nicht mit schmaleren Reifen als 32 mm an den Start zu gehen, da unser Ritte Snobs jedoch nur höchstens 28 mm zuließen und wir auf die Schnelle keine Gravel-, Endurance oder Crosser-Rahmen besorgen wollten, reisten wir also mit unserer schmaleren Bereifung nach Ravensburg, wo der Gravel Giro starten sollte.

Die Wetteraussichten waren hervorragend. Viel Sonne und Temperaturen von knapp über 20 Grad waren angesagt. Als wir am V-Pace-Laden ankamen, begegneten wir tatsächlich vielen Teilnehmern mit besagter querfeldeinfähiger Bereifung. Überall wo man hinsah, gab es breite Felgen, Reifen und zum Teil auch mit sehr viel Profil. Unsere Reifen wirkten dagegen lächerlich schmal.

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Nach dem Briefing ging es sofort los und schon befand sich das Grupetto auf der vorgesehenen Route, die zum Teil auch am Bodensee entlang führen sollte. Die Gruppe war ein bunter mix aus vielen neuen und einigen bekannten Gesichtern. Sogar Stefan, einer unserer treuesten Leser, war extra aus dem hohen Norden angereist! Der erste Anstieg bestand erstmal aus einer Treppe und alle durften ihre Räder über gut zwanzig Höhenmeter aufwärts tragen. Danach ging es weiter tatsächlich über sehr grobe zweispurige Gravelpfade. Mich ereilte schon nach weniger als 10 Kilometern der erste Plattfuß. „Na super“, dacht ich mir, “wenn das so weiter geht, verbringe ich den Tag mehr mit Reifen wechseln und Pumpen, anstatt mit Fahrrad fahren.“ Am liebsten hätte ich mich gleich verabschiedet und auf eine eigene Straßenroute gewechselt. Aber letztendlich will man ja doch, dass man das Vorgenommene auch durchzieht. Gut dass der Reifen unverzüglich gewechselt und – Sams neuer Rahmenpumpe sei dank – auch schnell mit ausreichend Luft befüllt war.

Die weitere Tour erwies sich zwar als äußerst interessant, jedoch für schmale Bereifungen als wenig geeignet. In Schweden waren die meisten Gravelwege sehr breit und grade gewesen und die Steigungen trocken. Außerdem wechselte dort oft der Straßenbelag von Gravel auf Asphalt. Der Asphaltanteil war insgesamt in Schweden wesentlich größer gewesen, so dass die Teilnahme mit einem Rennrad noch zu vertreten war. Am Bodensee gab es häufigere Wechsel von Gravel-, auf Waldwege oder matschige Mountainbike- und Singletrails. Manchmal führt die Route auch direkt über eine Kuhwiese, wenn man einen Limbo unterm Stromzaun vollführte. Das ab und an die ganze Gruppe absteigen musste, weil die Wege selbst für Crosser nicht mehr zu passieren waren, darf dabei nicht unerwähnt bleiben. Auch ein kurzer aber supersteiler Anstieg über Asphalt war darunter, bei dem so mancher der Steigung Tribut zollte und abstieg. Meine Lieblingspassage war eine solche, auf welcher der Wegesrand entweder von dichten Brennnesseln oder einem Stromzaun gesäumt war. So stelle ich mir übrigens auch japanische Spielshows vor, in welchen die Kandidaten zur Belustigung des Publikums leicht schmerzhafte Strafen erleiden müssen. Der Gravel Giro war eher als Adventure-Tour geplant worden. Gravel heißt also nicht nur ein paar Schotterwege am Waldesrand entlang zu fahren, sondern jegliche Untergründe, die in der Natur so vorrätig sind. Schön für alle, die sich auf querfeldein eingestellt hatten.  Mit unseren Rennrädern fehlte es einfach an Grip und Stabilität und häufig war insbesondere bei mir das Dranbleiben die oberste Devise. Vielleicht muss ich ab und an mal an meiner Querfeldein Technik feilen.

Bei Kilometer 40 geschah es dann. Auf einem Teilstück befuhr ich zu Beginn das weichere, mit Gras bewachsene Feld neben dem Schotter. Als ich dann versuchte zurück zu wechseln, übersah ich den durch das tiefe Gras getarnten Höhenunterschied, kam aus dem Gleichgewicht und schlug auf dem Gravel auf. Da ich nun aus Unterarm, Hand und Unterschenkel blutete und ich auch den Lenker nicht mehr sauber greifen konnte, entschied ich mich den Heimweg über den gewohnt sicheren Asphalt anzutreten. Obwohl wir normalerweise zusammen fahren, sollten Sam und Hendrik dagegen weiter fahren.

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Die beiden, die dann am Ende den Gravel Giro zu Ende fuhren, würden ebenfalls wie ich nicht noch einmal mit normalen Rennrädern daran teilnehmen. Richtige Gravel-Bikes scheinen am Ende dann doch den idealen Komfort und die Stabilität, die man für das vielseitig wechselnde Terrain benötigt, zu bieten. Das Fahren hat zwar Spaß gemacht, am Ende hatte man doch das Gefühl, sich zu sehr auf das Fahren konzentrieren zu müssen. Gravel ist nun mal nicht gleich Gravel! Die Strecke und die Natur erwiesen sich als einmalig schön. Gerade die Abwechslung im Untergrund sowie die ausgesuchten Wald- und Feldwege sprechen stark für eine gut durchdachte Routenplanung. Zu empfehlen ist eine Teilnahme am Gravel Giro im nächsten Jahr auf jeden Fall. Dann aber mit deutlich besser geeigneten Arbeitsgerät!

 

Eine Antwort zu “VPace Gravel Giro”

  1. […] Crossrad mit 37mm Schwalbe Smart Sams dabei. Es waren aber auch ein Singlespeed-CX, ein MTB und die Jungs von Good Times Roll mit ihren Ritte Snobs und 28mm Roadtires am Start. Das wurde dann allerdings später auch mit einem (mehreren?) Platten […]

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