Good Times Roll

„Von nix kommt nix“ – wer so ein richtiger Randonneur sein möchte, der muss natürlich auch seine „Trainingsründchen“ drehen. Man möchte ja schließlich gewappnet sein für die Superbrevets wie z.B. die Mille Miglia oder das berühmte Paris-Brest-Paris. Dieses Mal haben Sam und ich (Nils) uns der Brevet-Selbsthilfegruppe angeschlossen, die freundlicherweise öffentlich zu ihrer Dreikönigs-Therapie zwischen Lenne und Ruhr eingeladen haben. Über eine Routenbeschreibung und eine GPX File konnte man sich schon vorab über das geplante Streckenprofil informieren.

Zur Erklärung vorab: Ein Brevet (Brevet franz. – Prüfung) hat in diesem Fall 200 Kilometer und stellt die kürzeste Distanz dar, die man als Randonneur fährt, um scheinbar von einer Radfahrt sprechen zu dürfen. Das Ganze dient natürlich nicht nur dem Selbstzweck, sondern ist die erste von mehreren Prüfungen, um am alle vier Jahre stattfindenden Super-Brevet Paris-Brest-Paris (1200 Kilometer) teilnehmen zu dürfen. Zu den 200 Kilometern muss man noch die Distanzen 300, 400 und 600 Kilometer am Stück, innerhalb einer festgelegten Zeitvorgabe, im Rahmen von Audaxveranstaltungen im gleichen Jahr absolviert haben. An diesem Tag waren mehrere Fahrer dabei, die Paris-Brest-Paris innerhalb des Zeitlimits von 96 Stunden mindestens einmal erfolgreich bewältigt haben.
In diesem Sinnen bezogen sich die Gespräche vielfach auf Radfahrten jenseits der 200-Kilometer-Marke. „Weißt du noch der Tausender im Saarland…“ oder „Der 600er damals rauf zum Brocken…“ so wurde dann auch der eine oder andere Satz begonnen. Beim Fahren von Brevets geht es übrigens nicht darum der oder die Schnellste zu sein. Genau genommen wird bei einem Audax sogar die Geschwindigkeit von 20 oder 22,5 km/h im Durchschnitt fest gelegt, damit die Gruppe zusammen bleibt. Beim Brevet ist das aber eigentlich egal und jeder fährt so schnell wie er möchte.
Wenn man also ein Brevet fahren möchte, dann muss man sich schon einige Stunden Zeit nehmen, wenn man die Distanz schaffen möchte. Die typischen Räder sind von der Bauart oftmals nicht die leichtesten. Fahrstabilität, Komfort und eine Beleuchtung mit Nabendynamo stehen hier im Vordergrund. Es wird natürlich auch nachts gefahren und geschlafen wird erst (wenn überhaupt), wenn der Körper von der Müdigkeit übermannt wird. Glücklich ist der, der nicht im Straßengraben aufwacht, denn der Sekundenschlaf ist natürlich auch hier eine große Gefahr. Auch von Halluzinationen wissen Brevet-Fahrer zu berichten. Mancher dachte schon er lege sich am Abend zum Schlafen in eine Schlangengrube, oder das graue Männchen, das so merkwürdig grade an der Straße steht, entpuppt sich als Rückseite eines Straßenschilds.
Die Runde war übrigens sehr schön. 200 Kilometer und 3000 Höhenmeter zwischen Ruhr und Lenne waren zu fahren. Am Ende haben Sam und ich dann doch die Langstreckentherapie abbrechen müssen und sind nicht zu Ende gefahren. Die Zeit reichte an diesem Tag dann leider nicht aus und mit einem USB-betriebenen Notlicht wollte ich auch nicht die abschließenden Kilometer und Höhenmeter angehen. Immerhin hatten wir jeder jeweils knapp 140 Kilometer auf dem Tacho stehen. Nicht schlecht, aber ein Brevet war das noch nicht.

Media:

Audax Radonneure

https://brevetselbsthilfegruppe.de

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