Good Times Roll

„4 bekloppte und ein Ziel“ so oder so ähnlich könnte man die folgende Story betiteln. Vergangene Woche machte Sam, mit 3 anderen verrückten, kurzerhand aus der Freitags-Feierabendrunde einen Charitiy Ride, für das Hospiz in Herne. Hier ihre Zusammenfassung:

Ein Spenderring, gibt für jeden gefahrenen KM, je Fahrer einen Euro an das Hospiz.
Wir haben in unserem Vierergespann 1.380 km dazu beigesteuert. Die groben Details im Überblick:

1.380 Kilometer Gesamt
345 Kilometer pro Person
212 Zähne (52/18, 48/14, 48/14, 49/17 )
53 Kilometer Autobahn
34 Bier
25 Bananen
4 Schnäpse
3 Kilometer Stroh
2 Rheinüberquerungen
1 Gang

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Die Route Darmstadt – Mainz – Koblenz – Köln – Düsseldorf – Bochum – Herne
ergab insgesamt 1.380 € für das Lukas-Hospiz in Herne.

16:30 Uhr Start zu einem aufregenden Abenteuer. Wir treffen uns am Hauptbahnhof um Sam und Fabian einzusammeln. Danach gilt es erst einmal die Räder fit zu machen in der hauseigenen Werkstatt und schließlich Kalorien tanken. Spaghetti-Bollognese mit gleichem Anteil an Fleisch und Nudeln. Die Karotten sind hier tatsächlich nur zur Deko.

20:00 Uhr Nachdem wir uns schließlich alle den Bauch vollgeschlagen hatten, ging es noch ans Packen der Fellow Bags Satteltasche. 25 Bananen oben drauf und ab zur Mathildenhöhe, Bild gemacht und ab dafür. Die ersten hundert Kilometer sind locker. Alle sind gut drauf, ein paar Mal nach dem Weg gesucht, aber ohne größere Umwege. Die ersten Pausen sind zum Wasser auffüllen und Beine vertreten. 20 Kilometer vor Koblenz gibt es das erste mal eine längere Pause in unserer Stammkneipe, die wir auch schon im vorherigen Jahr erfolgreich getestet haben. Etwas essen und nach einer halben Stunde weiter, so der Plan. Allerdings hat uns der Regen einen Strich durch die Rechnung gemacht. Wir machten uns gerade fertig zum Aufbruch, da begann es schlagartig mit einem herben Platzregen. Und plötzlich läuft eiskalt ein Pärchen an uns vorbei – sie unten ohne. Von wegen prüde auf dem Dorf?! Er ersteinmal mit Hand an ihren unsittlichen Stellen und wir verwundert daneben.

Dann aber schnell wieder zurück zu den wichtigen Themen wie Windgeschwindigkeiten und Regenwahrscheinlichkeiten. Der Versuch, hinter dem Gewitter herzufahren, scheiterte leider böse. Ehe wir uns versahen waren die nächsten 40 Kilometer heruntergespult. Wir wurden jedoch von Blitzen und Donnern so eingeschüchtert, dass wir uns aufgrund des herannahenden Regens unterstellten. Die beste Idee der ganzen Tour. Denn kurz darauf fing es einfach unaufhörlich an zu schütten. Unterstellen mit vier Mann und Rädern unterm Torbogen klappte leider nicht, die Bushalte war auch zu kalt also alle Mann in die nächste Bankfiliale. Die Straße zum Fluss geworden, saßen wir im Warmen und Trockenem. Wir entschieden uns dafür, die gezwungene Pause ohne eine Möglichkeit zu Essen sinnvoll zu nutzen und versuchten ein wenig zu schlafen. Nach nur 40 Minuten (in denen sogar mal kurz die komplette Beleuchtung ausging, weil der Bewegungsmelder nichts mehr erkannt hat) hieß es allerdings wieder ab auf das Rad und versuchen die verlorene Zeit aufzuholen.

Die nächsten Kilometer waren jedoch einfach unerbitterlich kalt und es ging einfach nicht irgendwas aufzuholen. Wir waren froh überhaupt nur vom Fleck zu kommen. Jedes mal, nach dem wir kurz angehalten hatten, war es schwer wieder den richtigen Tritt zu finden. Die Nacht war kalt, dunkel und nass! Wir einfach nur müde und ohne wirklichen Antrieb jemals in Herne ankommen zu wollen. Man versucht irgendwann einfach seinen eigenen Stiefel zu fahren und fährt ohne groß nachzudenken. Als wir schließlich auf einer 4-Spurigen Autobahn standen, auf einem Schild war zuvor ein Fahrrad mit einem roten Kreis drumherum, war uns das mittlerweile auch schon gleich und wir versuchten einfach den schnellsten Weg nach Köln zu finden um dort zu frühstücken.

Das Ende vom Lied – wir stehen um 6 Uhr in Bonn, wollen einfach etwas Essbares in den Händen halten und von Bäcker zu Bäcker werden wir vertrieben, weil sie erst um 7 öffnen! Ein sichtlich angefressener Angestellter schmiss uns aus seinem Laden, da er uns mehrmals „daraufhingewiesen“ hatte: „7 Uhr habe ich doch gesagt!“ Dazu brabbelte er noch irgendwas von wegen Mäckes. Nach McDonalds-Frühstück war uns leider gar nicht zu Mute und so fuhren wir ohne Plan durch Bonn, bis wir schließlich am Hauptbahnhof einen Bäcker fanden, der schon früher öffnete. Dieser Laden machte mit uns ein riesigen Geschäft. Wir kauften im Wert von mehr als 40 € Essen und Trinken für alle und ließen es uns auf der Terrasse des Lokals richtig gut gehen.

Doch jede Pause muss einmal ein Ende haben uns so saßen wir auch nach dieser wieder auf dem Rad und bewegten uns nun nicht mehr ganz so schnell wie zu Beginn in Richtung Herne. In Köln kam es nicht zum sehnlich erwarteten Wetttrinken unter Kampfradlern, weil wir stark im Zeitverzug waren. Da gab es nur eine Devise: An die nächsten Rennradfahrer hängen und Windschatten genießen. Klappte nicht ganz so gut, da die zwei die wir uns aussuchten nur 40 Minuten Vorbelastung gefahren sind, sprich nie ein einheitliches Tempo sondern immer Schnell – Langsam im Wechsel. Also nix Windschatten und die Ortsschildsprints. Immer wenn es auf eines der großen gelben Schilder zu ging, machten wir uns halt selber einen Spaß daraus den Ortskönig zu küren. Letztendlich waren alle Sprints nur die Vorbereitung auf den großen Letzten – Herne. Hier sollte es zum ultimativen Showdown kommen, aber zuvor mussten leider noch 100km+ abgespult werden. Anstatt der Bundesstraße hatten wir uns dann mal für offizielle Radwege entschieden und endeten direkt im Feld. Kommentar der Anwohner „Der Weg ist unfahrbar, die Letzten sind nach 200m gescheitert und haben zurückgeschoben“. Also perfekt mit Starrgang, schmalen Reifen und 200km im Hintern. Fabian mit 30kmh in Paris-Roubaix-Manier durch die Schlaglöcher – zwischendrin ein Trail durch den Wald – sonst nur frisch gemähte Wiese. Aber mit genug Spaß an der Sache genießt man auch diese Momente und es endete in einem Wettbewerb – den Damm auf dem nassen Stroh erklimmen.

Nach ein paar Stürzen waren dann alle klar gescheitert und es hieß hoch schieben um im Anschluss wieder Kilometer zu schrubben. Vom Feldweg aus das Ortsschild entdeckt, direkt erstmal wieder Sprint! Dabei leider nicht beachtet, dass wir für die Brücke leider in die andere Richtung mussten. Also mit der Fähre übers Wasser und paar Meter mit einem älteren kanadischen Pärchen auf Reiserädern gemacht. Das Wetter wurde besser, die Laune stieg und endlich war es auch wieder warm. Noch eben für bisschen Wasser, Banane und Schnaps beim Supermarkt gehalten, drei mal verfahren, auf dem Bahndamm geendet, dann zügig weiter Richtung Essen.Top motiviert aber voll auf Schlafentzug, war mit Schnaps alles auszuhalten. Vollgas weiter, Ortssprints, Höhenmeter und selbst das Wasser in den Schuhen wurde langsam warm.

Dann der erste Platten. Also anhalten, die Zeit nutzen zum ersten mal richtig Route planen, Schlauchwechsel und sich beeilen weiter zu kommen. Endlich wieder im Sattel weiter Höhenmeter machen, langsam auch kam Mittagshitze dazu, wieder Waldwege und keine fünf Kilometer später wieder ein Platten. Gleicher Fahrer, wieder Vorderrad, andere Ursache und die Laune langsam gedämpft. Anhalten. Fahrrad ins Feld schmeißen. Schlauchwechsel, Riegel und weiter geht’s. 12% Gefälle und breakeless, hoffen, dass keine Kreuzung kommt. Das Ziel aber in Sicht weil die Höhenmeter schon verraten, dass man sich Herne nähert. Für das dritte Mittagessen bei den Ruhr-Games vorbeigeschaut, aber stets auf das Ziel fokussiert – schnell wieder aufs Rad – weil der Trott immer größer wurde umso weiter man kam. Bei perfekten Bedingungen über die Erzbahntrasse schnell noch zu Holger auf ein Bier vorbei und was darf man nicht fehlen? Platten! Mal nicht ausgesprochen wer ihn wieder hat. Schlauchwechsel lohnt nicht mehr, also schnell Maximaldruck drauf und im Sprint mit Windschatten weiter. Radwechsel bei Sam zu Hause und endlich die letzten Meter rollen um den Kilometerstand abzugeben und endlich den alles entscheidenden Ortssprint Herne aus zu fahren.

Platten! Mal nicht ausgesprochen wer ihn wieder hat. Schlauchwechsel lohnt nicht mehr, also schnell Maximaldruck drauf und im Sprint mit Windschatten weiter. Radwechsel bei Sam und endlich die letzten Meter rollen um den Kilometerstand abzugeben und endlich den alles entscheidenden Ortssprint Herne aus zu fahren. Sam erklärt uns eben noch wann ungefähr das Schild kommen würde und dann gings los. Wir waren keine Freunde mehr, es ging hier um alles! Die vorherigen Kilometer waren vergessen und alle waren fokussiert den einen Sieg für sich zu gewinnen. Fabian bot Sam den Windschatten bis zur Ampel vor dem Sprint. Als die Ampel dann auf grün springt, rast Stephan los, alles oder nichts. Ausreissversuch und Sprint nahtlos hintereinander und wir kamen nicht mehr ran. Glückwunsch Stephan. Einige Minuten später kommen wir endlich am Hospiz an. Völlig fertig, aber glücklich. 345 KM pro Person, die Nacht durchgefahren, durch Regen und Kälte, unwegsames Gelände und andere Hindernisse, aber zusammen! Jetzt sind wir in Herne, auf einer unwahrscheinlich herzlichen Veranstaltung von sehr engagierten Menschen – jeder Kilometer hat sich gelohnt!

Darauf erstmal eins-zwei-zehn Bier und ein paar Bilder machen. Danke an alle die in diesem Jahr wieder für das Hospiz gefahren sind, an Fellow Bags für die Tasche (mehr Bilder und ein Bericht kommen), aber vor allem an:

Fabian Ramm, 24, U- lock Justice Crew
Stephan Kehr, 23, HalbVoll
David Jansen i.d.w., 23, Halbvoll
Sam Baron, 20, GoodTimesRoll

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