Good Times Roll

 

Eroica. Ich vermute der ein oder andere hat bereits einmal von diesem Event gehört. Eine Ode an die „alte“ Zeit, in der man in Baumwoll Trikots und Hosen auf Rennrädern bis 1987 an den Start geht. Ob alleine oder im Team ist dabei völlig egal, ebenso für welche Streckenlänge man sich entscheidet. Der Radavist, die Spoke und auch Juliet Elliott haben bereits darüber berichtet. Ursprünglich in Italien beheimatet, gibt es mittlerweile Eroicas in Kalifornien, Japan, Süd Afrika, Uruguay, Spanien, England und in diesem Jahr eben auch in Holland. Dank einer Einladung und einem aufgrund des schlechten Wetters etwas kurz ausgefallenem Familienurlaub, war ich also in diesem Jahr Teil des Eroica Events und des Brooks Teams.  Start/Ziel war in Valkenburg, einem 16.000 Seelen Ort, unweit von Maastricht. Bekannt durch mehrere Weltmeisterschaften, dem Amstel Gold Race und dem Cauberg. Gemessen an dem Original in Italien war das Event mit rund 600 Startern eher „übersichtlich“ gehalten, aber ich bin mir sicher dass sich das im kommenden Jahr ändern wird. Für Liebhaber und Fans von Vintage Fahrrädern und Teilen bietet die Expo Fläche einfach alles was das Herz begehrt. Eddy Merckx, Peugeot und Moser Räder, alte Trikots, Handschuhe und Trinkflaschen, Startnummern, Laufräder……. So könnte man die Liste ewig fortführen. Ebenso anschaulich sind aber auch die Starter, von den wirklich die meisten bis ins kleinste Detail alles auf dieses Event bestimmt hatten. Rädern, exakt so aufgebaut wie man sie damals im Katalog vorfand, passend dazu die Trikots und Verpflegungsbeutel.

IMG_3210

 

Treffpunkt für das obligatorische Gruppenfoto war Sonntag um 9 Uhr am Startpunkt in Valkenburg unweit unseres Hotels. Auf unseren von Gloria Days zur Verfügung gestellten Rädern und den Brooks Vintage Outfits, fühlte man sich innerhalb von wenigen Metern komplett in der Zeit zurück versetzt. Nach den Foto und einem Espresso ging es auch direkt los. Wir hatten uns in einer 8 köpfigen Gruppe dazu entschlossen die 100km Distanz zu fahren. 60 erschien uns zu wenig um die Region kennenzulernen und 160 war dann vielleicht doch zu viel um das ganze relaxt anzugehen. Schon der Start war unvergesslich, kaum hatten wir die Altstadt verlassen ging es durch ein altes Tunnelsystem durch einen der Kalksteinberge, mit Leuchtröhren und ABBA Musik. Surreal aber beeindruckend, ebenso wie der unmittelbar im Anschluss kommende Cauberg. 800 Meter lang und 60 Meter hoch eine tolle Übung um warm zu werden, waren wir doch auch nur auf alten Stahlrädern mit Rahmenschaltung und weichen Pedalkäfigen unterwegs. Und um es bereits an dieser Stelle einmal vorweg zu nehmen, Holland hat Berge! Auf unseren 100km haben wir an diesem Tag 1296 Meter an Höhe gemacht! Auf der Route befanden sich 2 Verpflegungspunkte bei km 30 und 60. Die ersten 30km waren mehr oder weniger ein „Kinderspiel“. Das Tempo in der Gruppe war moderat, das Wetter gut, die kleinen Wald und Schotterwege alle gut befahrbar und auch die Anstiege ließen sich gut bewältigen. Deshalb wollten wir auch garnicht allzulange Pause machen. Jeder eine Suppe, Kaffe oder Saft, die Trinkflaschen aufgefüllt, den Stempel geholt und wieder ab auf die Räder. Und siehe da, keine 700 Meter weiter der erste fieser Anstieg, wir befanden uns jetzt in Belgien. In Belgien sind die Anstiege gefühlt steiler und länger, hier machten sich auch die unterschiedlichen Fitnessgrade bemerkbar, sodass wir uns in 2 Gruppen aufteilten. Ähnlich wie auch in Schweden wechselten sich Anstiege und Abfahrten für die nächsten 35km ab, wobei man die Abfahrten nicht ganz so genießen kann, da die Bremsperformance der alten Boliden eher als „abenteuerlich“ einzustufen war. Der größte und längste Anstieg endete direkt am zweiten Verpflegungsstop bei Sippenaeken. Wer mochte konnte sich hier schon ein Bier gönnen, wir beließen es bei Kuchen und Espresso.

IMG_3286

 

Weiter ging es zum Dreiländereck Holland/Belgien/Deutschland an welchem wir ( ein Deutscher, ein Portugiese und 2 Engländer ) natürlich ein Foto machen mussten, die Gelegenheit bekommt man ja nicht alle Tage. Ein kurzer Abstecher durch Deutschland und bei der Bocholterzerheide wieder nach Holland. Die nächsten 20 Kilometer regnete es mal mehr, mal weniger stark, sodass die vielen Feldwege sich in allerfeinste Matsch-Trails verwandelten. Da mein 1964er! Freddy Grubb, bestückt mit 30mm Crossreifen, quasi der Urtyp eines Gravelbikes war, hatte ich an den meisten Passagen allerdings kaum Probleme. Um ehrlich zu sein habe ich mich in dieses Rad verliebt. Der B17 Sattel ist ein „Rennsofa“, die Gabel federt alle Unebenheiten weg, die Geometrie war pures Wohlfühlen, lediglich der Lenker war zu schmal. Mal sehen ob dieses Rad nicht doch noch den Weg zu mir finden wird. Gute 20 Kilometer vor dem Ziel holten wir den anderen Teil unserer Gruppe aufgrund von Platten wieder ein und beschlossen den restlichen Weg gemeinsam zu absolvieren. Die Sonne kam wieder raus und mit ihr Heerscharen von Wanderern. Nach 5 Stunden und 7 Minuten sollte das Abenteuer Eroica dann bei Blasmusik und bestem Wetter für uns alle beendet sein.

IMG_3301

 

Mein Fazit zur Eroica. Ein durch und durch tolles Event. Super organisiert, nicht nur für Fahrrad Freaks. In dieser Form habe ich radfahren zuvor nie erlebt und kann es nur jedem empfehlen einmal an seinem Event teilzunehmen. Klar, an die Rahmenschaltung und das Fahrverhalten muss man sich gewöhnen und es ist anstrengend aber der Spaß und das Vintage Erlebnis übertrifft vieles. Wer weiss vielleicht wird es ja mal was mit dem Original in Italien und dann gut 5.000 Startern, gerne wieder auf dem Freddy!

Beitragsbild: Paolo Martelli

Text & Gallery: Chris

Schreibe einen Kommentar

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind mit * markiert.