Good Times Roll

Tom Ritchey, Mike Sinyard, Gary Fisher, Joe Breeze, … alles Namen mit wahrem Pioniergeist. Erfinder, Tüftler und Bike verrückte. Einer der sich hier nahtlos einreihen kann ist Jim Gentes, der Gründer von Giro, mit dem Sam und ich das vergangene Wochenende verbringen durften. Da mein Freund Pingo verhindert war, Jim aber bei seinem Vorhaben Weltmeister in der Masters Klasse 60-64 Jahre zu werden auf Hilfe angewiesen war, haben wir nicht zweimal überlegt und haben mein Auto mit allem gepackt was man als offizielle Service Crew brauchen könnte. Excitement Level 1000, wann bekommt man sonst mal die Chance auf so ein Erlebnis? Immerhin ist er wesentlich dafür verantwortlich dass moderne Fahrradhelme wie wir sie kennen, so sind wie sie sind.


Jim hat in einer Art Center Park eine kleine Hütte gemietet welche nur unweit der eigentlichen Strecke liegt. Wir kommen Donnerstags am späten Abend an und machen uns direkt ans Werk die beiden Räder renntauglich zu bekommen, da diese den Transport nicht ganz unbeschadet überstanden hatten und das Rennen bereits Tags drauf stattfinden soll. Ein wenig umbauen hier, ein bisschen nachstellen da und dann noch einige Parts die wir mitgebracht hatten montieren und alles war gut. Jim konnte sich in Ruhe Gedanken machen welches Outfit er anzieht, Santa Cruz und Mol haben vermutlich gute 25°C Temperatur unterschied und so hatte er alleine 7 verschiedene Paar Handschuhe mit, fuhr im Rennen dann aber meine mitgebrachten GripGrab Handschuhe. Seine Nummern präparierte er mit seinen eigenen, ultra leichten Nadeln, Gewicht sparen wo man nur kann. Es sollte nichts dem Zufall überlassen werden, oder sagen wir so wenig wie möglich. Der Freitag beginnt mit einem kurzen Frühstück, (früher als gedacht) dann einer Stunde einrollen, es war deutlich kälter als ich angenommen hatte und einem kurzen Strecken check. Hier erfuhren wir welche Gedanken er sich in den letzten 364 Tagen zur Strecke und den Gegebenheiten gemacht hatte und was die Taktik für die folgenden Stunden war. Danach zurück zum Haus, ersteinmal wieder aufwärmen, Räder nochmal checken, Taschen packen, essen, kurz runter kommen und dann ging es auch schon wieder los. Trotz seiner nunmehr 45 Jahren Rennerfahrung merkte man Jim die Anspannung und Nervosität an. Da half es nicht wirklich, dass sich ausgerecht jetzt einer beiden geklebten Mäntel von seinem favorisiertem Rad löste. Ruhe bewahren, dass andere Rad war tip top eingestellt. Als Backup Rad mussten wir innerhalb von 25 Minuten Sams Votec umbauen. Danach ging alles rasend schnell. Sammeln der 2 Gruppen (55-59 Jahre und 60-64 Jahre), Platz in der Startaufstellung nehmen, 3-2-1 GO! Für Jim ging es jetzt 60 Minuten bei 3°C um alles, wir hofften dass alles glatt geht und wir am Ende des Tages mehr oder weniger auch irgendwie Weltmeister sein können. Für mich hieß es jetzt mit Backup Rad, Rucksack, Jims Tasche mit Warm Up Bekleidung und Luftpumpe schnellstmöglich in die Pits zu kommen, wo Sam bereits vorher einen guten Spot gesichert hatte. Auf Position 2 liegend kam Jim das erste Mal an uns vorbei, allerdings bekam die Mission Weltmeister bereits nach gut 3/4 der ersten Runde einen herben Dämpfer. Auf der Strecke gab es einen recht Hohen Hügel dessen Abfahrt mit tiefem Sand bedeckt war. Eine Rinne im Sand lenkte Jim zu nah an den Rand wo er mit Vollgas einen der Holzpöller traf. So kam er mit Rund 60 Sekunden Rückstand auf den Führenden zu uns in die Box um sich ein neues Rad zu holen. Zum Glück war das Bike nicht weiter beschädigt, und er konnte sich bereits nach einer halben Runde wieder sein Rad zurück holen. Der spätere Gewinner der Altersklasse 60-64, Robin Delve, zeigte wirklich allen anwesenden wo der Frosch die Locken hat und kam mit fast 1.30 Minuten Vorsprung auf Platz 2 ins Ziel. Im Rennen selber bildete sich eine Gruppe von Platz 2-8 an die Jim sich bis auf 15 Sekunden herangearbeitet hatte und es waren noch 1,5 Runden zu fahren. Am Ende sprang Platz 9 heraus, da die Aufholjagd in der letzten Runde mit einem Platten beendet wurde.

Nach dem Rennen wurde kurz die Wunde am Arm versorgt die Jim sich in der ersten Runde zugezogen hatte um danach direkt in die Analyse der anderen Räder, Luftdrücke und Taktiken zu gehen. Der Typ lebt Cyclocross und Competition. Auf dem Weg zurück zum Auto hatten wir noch eine sehr inspirierende Begegnung mit Julie. Sie sprach uns auf unsere Mützen an und meinte sie sei, so wie wir, SRAM Ambassador und findet das cool dass wir das hier mitmachen und so weiter. Irgendwann sprach Sam sie auf ihr Weltmeister Trikot an, worauf sie ganz locker noch ihre Medaille zeigt und meinte, „hier, is alles echt, habe ich gerade ebend gewonnen.“ Auf die Frage in welcher Altersklasse bekamen wir zur Antwort: „75+ ,war aber einfach es gab nur eine weitere Starterin“ Julie war wirklich super drauf, so war ein Foto mit ihr später noch ein absolutes MUST HAVE. Den Abend ließen wir gemütlich mit Jim im Restaurant ausklingen, bei super interessanten Geschichten über die Anfangszeiten des MTB Sports, der Entstehung von Giro, Rennsport,….Was ein Wochenende. Ich glaube jeder der ein bisschen Fahrrad nerd ist, kann nachvollziehen wie wir uns gefühlt haben. Jim ist auf jeden Fall top motiviert und während wir hier frieren traineirt er vermutlich bereits wieder im Sand von Santa Cruz fürs kommende Jahr. Ich hoffe wir dürfen auch 2018 Support geben und werden dann Weltmeister!

 

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