Good Times Roll

Text & Fotos by Henning

Seit geraumer Zeit befasse ich mich nun schon mit einer mehrtägigen Fahrradtour. Ursprünglich war eine Tour durch Südengland geplant, jedoch hat es sich als viel schwieriger herausgestellt, einen Begleiter zu finden, als geplant. Letztendlich hat sich dann jedoch ein Kollege, Kristof, aus Bochum gefunden. Kristof ist zwar nicht mit einem Renner unterwegs, macht jedoch trotzdem so einige zügige Kilometer pro Jahr und pendelt täglich mit dem Fahrrad zwischen Bochum und Dortmund. Aufgrund der An- und Abreise nach England, wofür zwei Tage drauf gehen würden, haben wir uns  für ein anderes Ziel entschieden. Relativ schnell kamen wir dann auf Paris. Die 600 km sollten doch in fünf Tagen machbar sein, dachten wir. Insgesamt haben wir uns einfach mal noch zwei zusätzliche Puffertage gegeben. Das Ziel stand also. Somit ging es in die Planung der Routen und einer passenden Ausrüstung.

Schnell wurden die, im Internet hoch gelobten, Apidura und Revelate Satteltaschen bestellt. Jedoch waren beide Hersteller nicht zufriedenstellend, da ich bei beiden einen nahezu permanenten Oberschenkelkontakt hatte. Nach weiterer Internetrecherche und einem Stopp bei der Radbude war dann klar, dass ich mich für einen Gepäckträger und einen Packsack entscheiden würde. Kombiniert mit einer Lenkertasche sollte das Staumaß reichen. Letztendlich wurde es dann ein Tubus Gepäckträger, Ortlieb 14L Packsack und eine Ortlieb Fronttasche. Im Nachhinein die richtige Entscheidung.

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1.Etappe: Düsseldorf – Aachen

Da Kirstof erst noch den halben Tag arbeiten musste, ging es nach einem gemeinsames Nudelauflauf um ca. 16 Uhr am Rheinufer in Düsseldorf bei ziemlich bescheidenem Wetter los. Kombiniert mit dem Gegenwind, Regen und Gepäck, wurden die Fahrräder doch überraschenderweise deutlich träger als sonst.

In der ersten Etappe ging es dann über 90 km Asphalt, Schotter und einen Sandweg, bei dem man nicht zu langsam werden durfte, überraschend grün nach Aachen. Abends angekommen, haben wir dann noch kurz eine Pizza gegessen, unsere Sachen gewaschen und dann wurde gechillt.

2.Etappe: Aachen – Namur (Belgien)

Tag 2. Ausgeschlafen ging es zügig an die heutige 125km-Etappe. Von Aachen aus ging es mit gewohntem Gegenwind über Gulpen in den Niederlanden nach Lüttich in Belgien und zu unserem späteren Ziel Namur (ebenfalls in Belgien).

Kaum waren wir über die niederländische Grenze hinweg, so offenbarten sich uns die gewohnt perfekten holländischen Radwege und eine tolle Landschaft abseits vom Autoverkehr bei sonnigen 25 Grad. Das größte Highlight an diesem Tag sollte jedoch der Grenzübergang nach Belgien darstellen, der so versteckt war, dass man ihn gar nicht wahrgenommen hat. Nach einer kleinen Abzweigung von dem Radweg auf einen Trampelfahrt neben einem Feld waren wir zuerst verwundert, fuhren dann jedoch aber einfach mal weiter. Unsere Entscheidung wurde belohnt. Über einen groben Schotterweg mit heftigen Schlaglöchern ging es durch ein grünes kleines Waldstück. Unten angekommen, eröffnete sich dann ein sehr schönes Dorf mit roten Backsteinen und vielen bunten Blumen. Nach kurzer Verwunderung haben wir einfach ein paar Passanten gefragt, ob wir bereits in Belgien seien. Diese schmunzelten uns nur an und bejahten unsere Frage mit einem Lächeln. Nach 40 km ging es dann den Rest des Tages über einen kurzen, aber stressigen, Stopp in Lüttich weiter nach Namur, wo es zum Tagesende wieder die gewohnte abendliche Pizza gab.

 

3.Etappe: Namur – Charleroi

Nachdem sich die zweite Etappe zeitlich ziemlich gezogen hatte, beschlossen wir, die Tour einfach um zwei Tage zu verlängern und splitteten die dritte Etappe, damit wir auch ein bisschen in den verschiedenen Orten verweilen konnten. Von Namur ging es so dann wieder an der Maas entlang nach Charleroi. Hierbei begegnete uns der erste Hauch von belgischer Erotik in männlicher Form auf einem Hollandrad. Kurz freundlich gegrüßt und dann überholt. Leider stellte sich Charleroi jedoch als absolut falsche Stadt für einen Zwischenstopp heraus (hätten wir mal lieber Google benutzt). Geplagt von Arbeitslosigkeit und Terrorismus (erst kürzlich wurden zwei Polizisten mit einer Machete attackiert) und bekannt für den Sexualstraftäter Marc Dutroux, wollte man hier nicht länger draußen bleiben, als nötig. Selbst die hässlichsten Haustüren waren total verbarrikadiert. Also schnell raus zur Essensaufnahme und dann den Rest des Abends ausruhen.

4.Etappe: Charleroi – Maubeuge

Früh ging es auf die Bikes um Charleroi schnell hinter uns zu bringen. Auf dem heutigen Programm lag die  belgisch/französische Version der Erzbahnstrasse in Bochum / Essen.

Diesmal ging es über einen unspektakulären Grenzübergang nach Maubeuge in Frankreich. Leider war auch dieser Tag wieder suboptimal für einen Zwischenstopp, da fast alle Läden und Restaurants wegen einem Feiertag  geschlossen hatten. Jedoch war die Stadt schon deutlich schöner als Charerloi, so dass wir den restlichen Tag mit den Bikes im schönen Les Fortifications de Vauban verbracht.

5.Etappe: Maubeuge – Saint Quentin

Bei praller Sonne und ca. 30 Grad erwartete uns die Etappe von Maubeuge nach Saint Quentin und zu unserer Überraschung gab es nun endlich zum ersten Mal Rückenwind. Die Route führte uns einen großen Teil durch einen wunderschönen und einsamen Nationalpark komplett im Grünen nach Saint Quentin. Einziges Problem stellten die hier und da doch ziemlich groben Schotterwege dar, die bereits einen meiner Reifen auf dem Gewissen hatten. Den Nationalpark durchquert, ging es nun bei brütender Hitze über eine Landstraße mit perfektem Bodenbelag die restlichen 40 km im permanenten Hoch und Runter nach Saint Quentin. Am Abend wurde dann olympisches Bahnfahren geguckt.

6.Etappe: Saint Quentin – Compiegne

Voller Elan ging es nun auf die vorletzte Etappe. Nachdem der Wecker früh gestellt wurde und es zügig auf die Fahrräder ging, wurde unser Tatendrang jedoch schnell gestoppt. Die Garminroute lotste uns geradeaus auf eine französische Schnellstraße, die jedoch eher einer Autobahn glich. Trotz einem Schild, dass das Befahren mit Fahrrädern erlaubt sei, nahmen wir nach gut einem Kilometer die Abfahrt, da das ganze ziemlich an Selbstmord grenzte. Glücklicherweise war an der Abfahrt direkt eine Polizeiwache. Also kurz rein und die Beamten gefragt, ob die Straße denn wirklich für Fahrräder zugelassen seien. Diese nickten und lächelten nur fleißig und rieten uns dann aber auch von dem Befahren der Straße ab. Also wurde das Garmin schnell mit dem neuen USB-Connector an das Smartphone geschlossen und eine neue Route geplant, die an der Schnellstraße vorbeiführt. Dies klappte alles erstaunlich gut und auf Anhieb, so dass wir den Rest des Tages, wieder bei praller Sonne und 30 Grad, die gewohnten Landstraßen im permanenten Hoch und Runter nehmen konnten. Am Ziel angekommen, offenbarte sich uns dann der bisher schönste Ort der Tour, Compiegne. Eine schöne Studentenstadt mit französischem Charme. Hier ging es dann zügig ins Restaurant Soprano, das uns ein einheimischer Student empfohlen hatte. Auffallend war bis hierhin, wie freundlich uns die Franzosen begegneten. Nahezu jeder Fahrradfahrer oder Fußgänger hat uns mit einem kurzen „Bonjour!“ gegrüßt.

7.Compiegne – Paris

Nachdem wir die ganze Woche wirklich perfektes Wetter hatten, sollte sich heute alles ändern. Deutlicher Temperatursturz, Regen und Wind. Nach den ersten 30 km im Regen lockerte es dann ein wenig auf, so dass es immer wieder auch mal trockene Abschnitte gab. Die nächsten 30 km wurden dann vom ständigen Klamottenwechsel begleitet, da es entweder regnete und kalt/windig oder total warm war. Höhepunkt war dabei ein starkes Gewitter, welches uns mitten im Nirgendwo erwischte. Leider befanden wir uns zu diesem Zeitpunkt unter den unzähligen Oberleitungen eines großen Elektrizitätswerkes. Nach kurzer Absprache entschieden wir uns dann das dunkle Gebiet im guten 35er Schnitt zu durchqueren, was uns dann auch unbeschadet gelang. Angekommen im Pariser Vorbaughetto ging es dann die letzten 20 km durch den verrückten Pariser Innenstadtverkehr. Leider hat es zu diesem Zeitpunkt wieder ziemlich angefangen zu regnen, so dass wir zeitweise auf zwei Fensterbänken Unterschlupf suchen mussten. Nach den letzten 4-5 km kamen wir dann endlich total nass, hungrig und müde am Eiffelturm am. Schnell durch die Mengen an selfiemachenden Touris und schwerbewaffneten Soldaten, wurden dann noch die obligatorischen Zielfotos gemacht. Nach einer riesigen Pizza und Cola ging es dann ins Hotel.

Der Folgetag wurde dann noch zum Sightseeing genutzt, bevor es um 16 Uhr mit dem Thalys und demontierten Fahrrad in gerade mal 4,5 Stunden zurück nach Dortmund ging. Schon komisch, wenn man eine siebentägige Fahrradtour in so einer kurzen Zeit mit der Bahn zurücklegt.

Zusammenfassend kann man sagen, dass sich die vielen Stunden der Vorbereitung im vorhinein (Planung der routen, Ausrüstung etc.) total gelohnt haben, die Franzosen super nett waren und die Landschaft sehr schön und grün.  Die Tour war somit ein voller Erfolg und hat Appetit auf Mehr gemacht. Somit kann ich nun neben den unvergesslichen Skatetrips vor ca. 10 Jahren nach Paris auch einen gelungenen Biketrip mit dieser Stadt verbinden.

Merci!

2 Antworten zu “Düsseldorf – Paris by bike”

  1. Peter sagt:

    Hallo, Henning. Habe den Link vom Heinz bekommen. Schöner Bericht, tolle Tour. Ich beneide dich, hätte ich mal gerne gemacht in jüngeren Jahren. Viel Spaß noch bei weiteren Touren.

    Peter

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