Good Times Roll

Sam und ich hatten das Glück von Kasi, unserem lieben Fahrradfreund vom Niederrhein, zum Rapha Prestige in die Vogesen in Frankreich eingeladen worden zu sein, um für das Team Spoocha zu fahren. Am Ende fuhren weder der Kasi noch die Trikots von Spoocha mit, da sowohl der Kasi als auch die Spoocha-Trikots beruflich verhindert waren. Stattdessen hatten wir Lorenzo und Max, zwei Freunde v0n Kasi aus der Pfalz an unserer Seite, was natürlich auch alles andere als schlecht war.

Zum Format: Beim Rapha Prestige wird nicht in einem großen Peloton gefahren, sondern in  Teams bestehend aus vier Fahrerinnen und Fahrern. Die Teams gehen an diesem Sonntag in Abständen von drei Minuten an den Start, so dass die ersten um sieben Uhr und die letzten um neun Uhr aufbrechen. Gefahren werden zunächst drei schwere Berge der ersten und zweiten Kategorie; darunter der Grand und der Petit Ballon. Am Ende des Tages sollen insgesamt 144 Kilometer und über 3600 Höhenmeter gefahren worden sein. Ein bisschen ist das Rapha Prestige wie ein kleines Rennen angelegt. Das schnellste Team wird natürlich gekürt, aber wer gewinnt, ist eigentlich nicht so wichtig. Wichtiger ist, dass man mit seinem Team gemeinsam und wohlbehalten ins Ziel kommt und alle ihren Spaß haben.

Gestartet wurde auf dem Chateau du Hohlandsbourg, einer alten Burgruine mit zum Teil sanierten Sälen und der Möglichkeit ein kleines Frühstücksbuffet zu sich zu nehmen. Nach den letzten Instruktionen um kurz vor sieben ging es für uns an den Start. Nach der Abfahrt vom Chateau ins Tal ging es zunächst durch ein paar Weinberge. Der Sonnenaufgang tauchte die Straßen und Weinberge in ein angenehmes Leuchten, so dass wir erstmal fast mehr mit Fotografieren als mit Radfahren beschäftigt waren.

Die Route hatte es zwar in sich, bot aber eigentlich alles, was man von einer bergigen Rennradrunde erwartet. Knackige Anstiege und kurvige Abfahrten und jede Menge Aussichtspunkte, an welchen man eigentlich lieber stehen bleibt und verweilt oder ein paar Schnappschüsse für das Fotoalbum knipst. An den drei Checkpoints konnte sich jeder seinen Stempel abholen und sich erfrischen. Nach den drei großen Bergen hatte man erst knapp 90 Kilometer hinter sich und die letzten drei kleineren Anstiege der kleineren Kategorie waren dann auch nicht mehr das ganz große Problem. Der letzte Anstieg rauf zum Chateau, dem Zielpunkt hatte es dann doch in sich. Zwischendurch gab es nochmal eine Rampe von 25 Prozent im Durchschnitt, die sicherlich allen mehr oder weniger große Problem bereitet haben muss. Ich persönlich war an dieser Stelle so langsam, dass meine Oma locker nebenher hätte spazieren können.

Das absolute Highlight und der schönste Anblick bot sich uns eigentlich als die Tour schon zu Ende war.  Jedes Team sollte für den Abend einen Sixpack Bier aus seiner Region mitbringen. Im Laufe des Tages waren die vielen verschiedenen Biersorten eisgekühlt worden und wurden neben Sekt und Selters auf einem „Gabentisch“ aufgebaut. So konnte sich jeder bedienen und ein kleines regionales Stück Kulturgut eines anderen Teams probieren. Gleichzeit bot dies natürlich auch die Möglichkeit für ein Pläuschchen mit den vielen Fahrerinnen und Fahrern, die natürlich zum größten Teil aus Frankreich aber auch aus anderen Ländern waren.

Eine ausgesprochen schöne Tradition scheint es beim Rapha Prestige zu sein, dass jedes Team von den bereits angekommenen Fahrerinnen und Fahrern mit Applaus begrüßt wird. Das führt dann natürlich unausweichlich dazu, dass die letzten Teams den meisten Applaus bekommen. Das ist natürlich für die Ankommenden ein ganz besonderer Empfang und eine Belohnung, wie sie schöner nicht sein kann. Als das letzte Team ankam und alle schon beim Abendessen saßen, gab es tosenden Applaus und Standing Ovations für die aus vier Fahrerinnen bestehende Fahrgemeinschaft, die sich natürlich unheimlich über diese Geste freuten.

Ich muss wirklich sagen, von den vielen verschiedenen Touren, die wir als Good Times Roll in diesem  Jahr unternommen haben, war diese schon eine der schönsten. Das lag sicher nicht nur am Wetter, sondern auch an den vielen netten Menschen und auch an der tollen Organisation. Vielen Dank gebührt natürlich Lorenzo und seiner Frau, die uns am Vortag wundervolle Gastgeber waren, und uns neben der angenehmen Übernachtungsmöglichkeit mit ihrem köstlichen Pfälzer Saumagen und Wein verwöhnt hatten.

 

 

 

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