Good Times Roll

Mein Wecker klingelt um 5:00 Uhr in der Früh. Auf dem Weg aus dem Ruhrpott haben wir ein paar Tage bei Baiersbronn in einem Hotel im Schwarzwald verbracht. Eben noch schnell geduscht und Sam aus dem Bett geschubst und schon kann es losgehen. Unsere Bikes haben wir schon am Vortag auseinander geschraubt und tetrisartig in Nils‘ Auto gequetscht. Um 5:45 Uhr treffen wir uns am Auto zur Abfahrt. „Alles perfekt“, denke ich mir. Ich hau‘ mir selbst gegen die Stirn. Ich hab meine Radschuhe noch im Trockenraum auf dem Schuhtrockner hängen lassen.  Zum Glück tritt die Hausdame des Hotels kurze Zeit später ihren Dienst an und kann aufschließen. Nochmal gut gegangen. Wäre ja auch zu schön, wenn alles reibungslos abliefe.

Es ging dann also doch noch los richtig Ravensburg zum Bodensee Gravel Giro. Vpace hatte geladen, um anspruchsvolle Schotterpisten und Singletrails mit dem Gravel Bike zu erkunden. Pünktlich angekommen, hieß es schnell in Lycra schmeißen, die Räder zusammen bauen und ab zur Anmeldung. Mit einer kleinen Verspätung geht es dann los. Knapp 100 Teilnehmer stehen am Start und sind voller Tatendrang. Der Bodensees wartet. In der Route sind einige sehr spezielle Segmente inklusive einer 30%-Rampe eingebaut, die es ganz schön in sich haben. Etwas über 100 Kilometer sind zu bewältigen. Sie führen uns über grobe Schotter-, Feld- und zum Teil schlammige Waldwege und mit Baumwurzeln bestückte Singletrails . „Eigentlich eher was für MTB’s, oder?“, denke ich mir. Mit dem Gravel Bike geht es auch. Sogar richtig gut. Einer stürzt und schürft sich das Knie auf. Blut rinnt sein Bein hinunter. Er lächelt es weg: „Nicht so schlimm!“ Auch das ist echtes Gravel Biken.

Vor dem See geht es durch Apfelplantagen. Mit süddeutscher Präzision fein säuberlich aufgereiht säumen die Monokulturen links und rechts den Weg abgeschirmt durch schwarze Netze zum Schutz vor Schädlingen. Das Wetter: besser als erwartet. Am Anfang ein paar Wolken, später zeigt sich die Sonne und ein herrlich blauer Himmel reißt auf. Zwischendurch macht uns ein Zeppelin seine Aufwartung. Plötzlich zeigt sich der See in seiner ganzen enormen Größe und Schönheit. Postkartenmotiv! So ziemlich alle Radfahrer halten an und zücken ihre Handys. Nach ca. 70 Kilometern gibt es eine große Pause am Bodensee. Die Verpflegungsstation bietet alles auf, was man zum Energietanken so braucht; Energieriegel, Gels, Bananen, Getränke und Waffeln. Letztere sind aus irgendeinem Grund als erstes vergriffen. Einige Fahrer nutzen die Pause für eine Abkühlung im Bodensee. Sam und zwei Mitstreiter schwimmen zu einem Badesteg, welcher als kleiner Punkt in der Ferne inmitten des Bodensees grade so noch mit bloßem Auge zu erkennen ist. Ich frage mich: „Triathlon? Was soll das? Verrückte Hunde!“ Aber egal. Ich entspanne mich, wie die meisten anderen auch. Ein Eismann schiebt sich ein großes Geschäft witternd zwischen die sich verköstigenden Fahrradfahrer. Sie nehmen es dankend an und decken ihre Kohlehydratspeicher mit ein bis drei Kugeln Gelati ab. Dann geht es wieder aufs Rad.

Die letzten Kilometer haben es nochmal in sich. Ein Teilstück erinnert mich an ein Gleisbett ohne Schienen, was natürlich im Grunde überhaupt nicht zu befahren ist. Lockere Kieselsteine von der Größe und Form von Zitronen, in welchen man nach 10 Metern tief einsinkt und zu Fuß weiter staksen muss. Außer man man haut sich volle Pulle in das lose Geröllfeld rein, dann geht es so gerade. Irgendwie. Kurz vorm Ende kommt noch eine Holzbrücke. Die Räder werden getragen. Nicht alle können die Fahrt beenden. Ein paar kürzen die Strecke ab. Ein Berliner verliert an einer Steigung sein Schaltwerk.

Am Hauptquartier von Vpace erwartet uns erst mal die wohl verdiente Dusche, die gegenüber in einer Schule zu Verfügung steht. In der Einfahrt stehen Bierzeltgarnituren und im Hinterhof gibt es einen Foodtruck, der uns mit frisch angebratener Pasta verköstigt. In netter Gesellschaft und mit zwei oder drei Bieren lässt sich der Abend gut ausklingen. Trotz der Anstrengung geht ein wunderschöner Tag zu Ende. Wir sind total begeistert vom Gravel Giro. Hoffentlich bis zum nächsten Mal!

 

 

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