Good Times Roll

Obwohl ich mich schon seit langer Zeit in der Fahrrad Szene befinde und dieser Blog durch das Fahren eines Bahnrades entstanden ist, war es mir bislang jedoch immer verwehrt geblieben ein klassisches 6 Tage Bahnrad Event zu besuchen. In meiner Jugend habe ich zwar von dem 6 Tage Rennen in Dortmund mitbekommen, allerdings war da das Bewusstsein und Interesse von heute nicht vorhanden und mittlerweile wurden Großteile der Bahn abgerissen. Als die Meldung der 6 Day Series rauskam, war mir umgehend klar, Berlin oder Amsterdam, eines der beiden Rennen muss ich besuchen. Kurz darauf kam eine Einladung nach Berlin (tausend Dank Bregan!!!) und so sollte ich in diesem Jahr endlich mal in den Genuss kommen Spitzensport aus nächster Nähe erleben zu dürfen.

Einen Vorgeschmack was mich erwarten würde konnte ich mir durch die vorangegangenen Events auf dem TV holen. Ein Fahrerfeld mit top Athleten wie Maximilian Levy, Robert Förstemann (er hält auf dieser Bahn noch immer den Rekord) und dem Keirin und 1000 Meter Zeitfahren Weltmeister Jo Eilers hochkarätigen Sport sorgen und das tat es auch!

Das Berliner 6 Tage Event und die 6 Days Serie wollen den Bahnradsport wieder attraktiver machen, die Jugend einbinden, Sponsoren gewinnen, neue Formate wie zum Beispiel das Last Man Standing Event von RadRace integrieren und dennoch an Traditionen anknüpfen. Keine leichte Aufgabe, wie ich an einigen Reaktionen der vor Ort befindlichen „alten“ Presse und anhand einiger Kommentare im Anschluss in den sozialen Netzwerken feststellen durfte. Man bedenke es soll hier in erster Linie um ein Radsport Event gehen, zu dem auch Eltern mit Kindern kommen, denn Kinder sind die Fans von morgen. Schon komisch dass sich einige alteingesessene „Radsportfans“ über zu laute, zu moderne oder zu „aggressive“ Musik beschweren, den falschen Bier Lieferant, den DJ nicht kennen und damit das Urteil bilden „der kann nix sein“, es aber vollkommen legitim ist das unzählige Zuschauer bereits kurz nach Einlass in das Velodrom, so betrunken waren dass sie kaum alleine laufen konnten weder noch etwas von den Rennen mitbekamen. Was hat ein Mallorca DJ mit Radsport und Stimmung zu tun? Wieso muss so ein Event, wie auch der Sparkassen Giro in Bochum, zu einer Art Karneval oder Oktoberfest verkommen? Klar, Ingo von RadRace schlägt für manche Semester und vielleicht auch Eltern beim moderieren manchmal etwas über die Strenge, aber der Sport den die „Nichtprofis“ beim Last (Wo)Man Standing abgeliefert haben konnte sich sehen lassen und die jüngere Generation der Fixedgear/Bahnrad Interessierten hat ordentlich für Stimmung gesorgt. Was den meisten Zuschauern  (und vermutlich auch der wenn da überhaupt noch anwesenden Presse ) garnicht bewusst ist, ist wieviel Zeit viele der Leute investieren um sich für so ein Event vorzubereiten. Im Gegensatz zu den Profis haben vermutlich gerade einmal 20% der Starter die Möglichkeit wirklich regelmäßig auf einer Bahn zu trainieren. So etwas sollte toleriert und vor allem honoriert werden. Was mich neben den recht fairen Preisen für Burger, Pizza und Co. ebenfalls positiv überrascht hat, war die Nähe und Freundlichkeit der Profis. Jeder aus dem Profifeld kam zwischen den Läufen aus dem Fahrerlager und hat sich Zeit für Foto- und Autogrammwünsche genommen. Und ja die Oberschenkel von Robert Förstemann sind wirklich gewaltig. Der US Amerikaner Nate Koch war für mich aber klar der Gewinner. Eine absolute Stimmungs- und Publikumsrakete, immer ein Grinsen auf den Lippen, durchweg gut gelaunt, die best designten Schuhe und er konnte am Ende auch noch vollends auf dem Rad überzeugen indem er das Keirin Finale für sich entschied.

Ich für mich kann nur sagen, dass es für Freunde des Radsports ein geiles Event ist. Luft nach oben gibt es noch, keine Frage, aber dafür muss auch die ältere Generation bereit sein nicht alles schlecht zu reden und sich auf Neuerungen einlassen. An den Organisatoren des Events wird es bestimmt nicht scheitern, das Event im kommenden Jahr zum 107ten mal stattfinden zu lassen! Wer selber einmal dem Nachwuchs den Bahnradsport etwas näher bringen möchte, dem sei der Sonntag als Familientag sehr ans Herz gelegt. Die Stimmung war bereits kurz nach Einlass super und das Programm auf und neben dem Track ist abwechslungsreich. Um einen Eindruck des ganzen zu bekommen guckt das Highlight Video und/oder klickt euch durch die Gallery.

 

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